Unser Namensgeber: Max Samuel, geboren am 9. Januar 1883 in Argenau (heute Gniewkowo in Polen) war Unternehmer und von 1923 bis 1938 Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde Rostock.
Mit 14 Jahren verließ Max Samuel seine Heimat im Königreich Preußen und ging ins Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. In Güstrow begann er im Schuhgeschäft seines ältesten Bruders James Samuel (1871–1933) eine Ausbildung und erhielt dort schon früh die Möglichkeit, eigene Erfindungen zu erproben. So entwickelte er u. a. eine patentierte Schuhpflegebürste für Wildlederschuhe.
1906 gründete er die EMSA-Werke in Güstrow und spezialisierte sich auf Schuhzubehör und orthopädische Artikel. Im selben Jahr heiratete er Berta Geßner (1878-1937), Tochter des bayerischen Lehrers und Gemeindekantors Jakob Geßner. In Güstrow wurden die beiden Kinder Herbert (1907–1992) und Käthe (1910–1987) geboren.
Da die Bedingungen für seine expandierende Firma in Güstrow nicht günstig waren, kaufte er ein Grundstück in der Rostocker Friedrichstraße. Dort entstand eine moderne Fabrik mit zeitweise mehr als 150 Beschäftigten. 1921 erwarb er die Villa am Schillerplatz 10 als Wohnhaus.
1923 wurde Max Samuel Vorsteher der Israelitischen Gemeinde Rostock, der größten jüdischen Gemeinde im damaligen Mecklenburg. In seiner Amtszeit erreichte er, dass das Landesrabbinat und der Oberrat von Schwerin nach Rostock verlegt wurden. Auch politisch war er aktiv: Nach der Novemberrevolution 1918 trat Max Samuel der im selben Jahr gegründeten Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei. 1930 wurde er in den Landesvorstand der Deutschen Staatspartei (DStP) gewählt, der Nachfolgerin der DDP.Â
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 konnte Max Samuel beide Funktionen nicht mehr ausüben und beschränkte seine Aktivitäten auf sein Unternehmen und die Gemeindeleitung. Hier setzte er sich für den Erhalt der jüdischen Friedhöfe in Mecklenburg ein und versuchte das religiöse und kulturelle Leben der Gemeinde zu stärken und baute die Sozialarbeit aus. In seiner Firma beschäftigte er gezielt jüdische Männer und Frauen, die aufgrund ihres Glaubens entlassen worden waren, unterstützte sie mit Ausreisepapieren oder finanziell.
Sein Sohn Herbert emigrierte 1934 ins englische Blackburn, um dort ein Zweigwerk der EMSA-Werke zu gründen. 1937 starb seine Ehefrau Berta und nach Beschlagnahme der Firma folgte Max Samuel im Frühjahr 1938 seinem Sohn ins englische Exil, obwohl er oft erklärt hatte, Deutschland nicht verlassen zu wollen. Die Tochter Käthe folgte im Herbst 1938 nach England.
Max Samuel wohnte in der Nähe seines Sohnes in Blackburn. Aufgrund seines Herzleidens wurde er nicht, wie viele andere, nach dem Eintritt Großbritanniens in den Krieg als „Feindlicher Ausländer“ interniert. In seinen letzten Jahren wurde er melancholisch und pessimistisch. Wie etwa 250.000 andere jüdische Deutsche wurde er durch einen deutschen Erlass 1941 ausgebürgert und blieb bis zu seinem Tod staatenlos. Max Samuel starb am 2. September 1942 im englischen Blackburn.
Während Max Samuel und seine Kinder es noch rechtzeitig schafften, Deutschland zu verlassen, wurden zwei seiner Brüder und ihre Familien in der Shoah ermordet.
Seine Biographie zeigt neben unternehmerischem Mut und Geschick auch die gesellschaftliche Verantwortung, die Max Samuel in verschiedenen Bereichen übernahm. Die Geschichte der Familie Samuel zeigt stellvertretend die tiefen Einschnitte auf, die die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Weg ins Exil für viele jüdische Familien bedeuteten.
Im Exil bauten sie sich neue Leben auf und fanden neue Heimaten. Viele Nachfahren der Familien besuchten in den vergangenen Jahrzehnten seit 1991 Rostock und das Max-Samuel-Haus.
Max-Samuel-Haus
Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock
Schillerplatz 10
18055 Rostock
Ausstellung
Dienstag – Freitag
10–16 Uhr
und nach Vereinbarung
Bürozeiten
Montag–Freitag
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