Mit diesen Steinen werden dann 97 Denksteine in Rostock verlegt sein.
Lasar Rath wurde am 29. September 1894 in Kolomea in Galizien geboren, einer Stadt, die um 1900 mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von etwa 49 % zu den bedeutenden jüdischen Zentren der Region zählte. Er war der Sohn von Zundel Rath; über seinen Vater ist nichts Näheres bekannt. Lasar Rath arbeitete als Kaufmann für Strumpf- und Weißwaren und betrieb ein Versandhaus.
Seine Ehefrau Esther Rath, geborene Hirschowitz, kam am 14. Mai 1905 in Riga zur Welt. Wie sich das Paar kennenlernte und wo die beiden heirateten, ist nicht überliefert. Am 1. März 1925 wurde ihr Sohn Felix in Berlin geboren. Vermutlich gehörten Lasar und Esther Rath zu den vielen jüdischen Flüchtlingen, die nach dem Ersten Weltkrieg nach Deutschland kamen.
Um 1928 zog die Familie von Berlin nach Rostock. Dort lebten sie nacheinander in der Langen Straße, der Augustenstraße und schließlich in der Friedrich-Franz-Straße 8 (heutige August-Bebel-Str. 8). In Rostock gründete Lasar Rath das Abzahlungsgeschäft „Hansa Waren-Verkauf“, in dem er Haushaltseinrichtungen auf Ratenbasis anbot. Am 10. Dezember 1929 wurde ihre Tochter Agnes geboren.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 veränderte sich das Leben der Familie grundlegend. Zunehmend schränkten antisemitische Gesetze den Alltag jüdischer Menschen ein und zwangen viele zur Emigration. Die Familie hat sicher auch die Ereignisse des 10. November 1938 miterlebt haben, als die Synagoge in der Augustenstraße zerstört und jüdische Geschäfte sowie Wohnungen verwüstet wurden.
Im Zuge der Verfolgung wurde Lasar Raths Geschäft im Dezember 1938 zwangsverkauft und im Juli 1939 aus dem Handelsregister gelöscht. Wahrscheinlich war die Familie zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Rostock. 1939 emigrierte sie nach Lettland, möglicherweise zu Verwandten von Esther Rath.
Nach der deutschen Besetzung Lettlands im Juni 1941 wurde die Familie, wie alle Juden, in das Ghetto von Riga deportiert. Dort kamen alle vier Familienmitglieder – Lasar, Esther, Felix und Agnes Rath – ums Leben.
